Mathildenhöhe Darmstadt & Deutsches Filmmuseum Frankfurt
24. Oktober 2010 bis 13. Februar 2011
Ausstellungsgebäude Mathildenhöhe Darmstadt
Im Herbst/Winter 2010/11 realisiert das Institut Mathildenhöhe Darmstadt in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Filmmuseum Frankfurt eine umfassende Ausstellung über die markanten Wechselwirkungen und Parallelentwicklungen der – bislang vorzugsweise separat behandelten – künstlerischen Gattungen des Expressionismus. Die große Übersichtsschau im historischen Ausstellungsgebäude der Mathildenhöhe vereint erstmalig Filmausschnitte, Architekturskizzen, Raummodelle, Fotos, Plakate und Text-Ton-Collagen mit Gemälden, Zeichnungen und Skulpturen zu einem einzigartigen Panorama der expressionistischen Epoche.
Das interdisziplinäre Projekt umfasst den gesamten Zeitraum expressionistischer Tätigkeit,
es hat jedoch seinen heißen Kern in den Jahren 1918 bis 1921, in denen die bedeutendsten
Filme des Expressionismus entstehen wie Das Cabinet des Dr. Caligari, Genuine und Von Morgens bis Mitternachts. Alle diese Werke sind stark beeinflusst von expressionistischer Literatur, Kunst und Theater und entfalten ihrerseits eine außerordentliche Wirkung auf andere Kunstgattungen. So schreibt der Essayist und Filmkritiker Rudolf Kurtz bereits 1926:
„Der Begriff des Expressionismus ist an Werken der bildenden Kunst entstanden. Trotzdem
wäre es eine Verengung der Sache, die entscheidenden Merkmale dieses Verhaltens nur in
Werken der Maler wieder finden zu wollen. Wenn es sich um mehr als um das spielerische
Experiment einer Clique handeln soll, wird man die Physiognomie dieser Bewegung in einem
deutlich ausgeprägten Typus Mensch unserer Zeit erkennen müssen.“
(Rudolf Kurtz, Expressionismus und Film, 1926)
Schlüsselfiguren der gegenseitigen Durchdringung der Künste in den zeitgeschichtlich
bedeutsamen Jahren vor, während und nach dem Ersten Weltkrieg sind u.a. der Dichter,
Dramatiker und Maler Oskar Kokoschka, der Regisseur Robert Wiene, der Maler
und Bühnenbildner César Klein, die „Kokain“-Tänzerin und Filmschauspielerin Anita Berber
oder der Literat und Maler Ludwig Meidner. Meidners multiperspektivisch zersplitterte
Stadtszenen sowie „Apokalyptische Landschaften“ etwa prägen den expressionistischen
Film nachhaltig – zugleich arbeitet er später selbst an Bühnenbildern für den Stummfilm.
Ergänzt wird die Ausstellung „Gesamtkunstwerk Expressionismus“, die im Rahmen des
Kulturfonds Frankfurt-Rhein-Main-Projektes „Phänomen Expressionismus“ stattfindet, durch
ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Filmreihen,
Lesungen und Theaterinszenierungen, an dem sich das Staatstheater
Darmstadt, die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung, die Akademie
für Tonkunst und weitere Kulturinstitute der Wissenschaftsstadt
Darmstadt und der Rhein-Main-Region beteiligen.
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